Jetzt stehe ich vor der schwierigen Aufgabe, diesen Blog abzuschließen. Auch wenn ich zumindest für zwei der drei Wochen, die ich wieder in Deutschland bin, eine gute Ausrede habe – es musste geheim bleiben, damit ich meine Freundin zu ihrem Geburtstag überraschen konnte – ist die Prokrastinationstendenz nicht zu übersehen. Wie soll ich das zusammenfassen? Fangen wir mit dem einfachsten an: Was ich die letzten Woche in Ecuador gemacht habe. Nämlich: Surfen lernen. Das war nicht nur schön, sondern auch cool. Ich stand beim ersten Mal und muss jetzt überlegen, wo ich als nächstes hinfahre, um weiter zu üben, damit dieser Sport nicht dem gleichen Schicksal wie meine Snowboard-Ambitionen anheim fällt – verlernen wegen Überteuerung.

Zuerst wollte ich die Tops und Flops auflisten, aber das wäre wohl ziemlich langweilig für euch. Stattdessen will ich versuchen zu sagen, was diese Reise für mich verändert hat, soweit ich das bisher feststellen kann.

Zuerst einmal ist es jetzt nicht mehr unvorstellbar, wie weit etwas weg sein kann, wie klein Europa und wie groß eigentlich fast alles andere ist. Japan, Kambodscha, Patagonien – alles auf der Liste, alles mit guter Planung und ein bisschen Mut machbar. Ich weiß jetzt auch, dass ich in Ländern mit Gringo-Trail sehr gut allein reisen könnte, was ich beim nächsten Mal dann ausprobieren muss. Reisen sind somit kein Once-in-a-lifetime-Ding mehr, sondern etwas, was in meinem Leben wichtig und selbstverständlich werden kann.

Ich habe auch das erste Mal geshen, was es heißt, dass wir “auf Kosten der Dritten Welt leben”. Was man als Europäer für selbstverständlich hält, gibt es nicht oder kaum. Man kann vom Staat keine Hilfe erwarten, soziale Gerechtigkeit ist nicht vorhanden. Erklärt mal den Leuten dort, dass sich bei uns über jede Verspätung bei der Bahn echauffiert wird und sich Leute darüber ärgern, dass die Müllabfuhr so laut ist, wenn man dort nicht einmal das Toilettenpapier ins Klo werfen kann, weil die Kanalisation damit nicht klarkommt. Wäre hier nicht alles so stressig, es käme mir vor wie im Schlaraffenland: Ich kann mir aussuchen, was ich mal werden will, bei der Wohnungssuche sage ich bei einem Zimmer unter 15 m², dass mir das zu klein ist, und meine Eltern haben auch noch die Kohle, mir das zu finanzieren.

Zur Zeit kann ich keine Zeitung in die Hand nehmen. Denn ich rege mich nur auf. Entweder es ist einfach nur schrecklich und aussichtslos (Pakistan), dumm, dumm, dumm (Sarrazin) oder irrelevant, irrelevant, irrelevant (Google Street View). Es kommt mir so vor, als ob alles, was darin steht, nur die halbe Wahrheit ist und das Wichtigste weglässt – nämlich dass die Armut der anderen uns reicher macht. Diese Reise hat mir gezeigt, dass das nicht nur eine naive Ansicht der linken Spinner in den besetzten Häusern ist, die nichts können und deshalb gegen Kapitalismus sind, sondern eine Wahrheit, die viel einfacher ist, als ich dachte.

Ich bin also gleichzeitig zufriedener und unzufriedener geworden – zufriedener mit dem, was ich habe und mit meinen Perspektiven, unzufriedener mit diesem Land, der Politik und der unbeschreiblichen Dummheit der Massenmedien. Und damit muss die schwarzezitrone. ab jetzt auch arbeiten. Ich hoffe, es hat euch gefallen. Wenn ihr mir nicht glaubt, fahrt selbst hin. Und wenn doch – macht es trotzdem. Denn das Leben ist nach dem Zurückkommen anders als vor dem Wegfahren.


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Kommentare ( 1 Kommentar )

Liebe Katharina,

in der Tat ist ganz schön viel Zeit vergangen seit diesem Reise-Blog hier und ich weiß auch gar nicht, ob Du überhaupt noch mitkriegst, wenn hier jemand schreibt.
Jedenfalls ist ja aktuell ein Land auf der Liste der möglichen Länder gerade wahr geworden bei Dir: Japan. Und weil mich dauernd Leute fragen, wie es Dir da so geht (z.B. Deine Oma A.!) und weil ich mich das natürlich auch ständig frage, obwohl Deine letzte Mail ja noch gar nicht so lange her ist,wie wäre es, wenn Du den Blog wieder aufleben lässt?! Das geht doch bestimmt!! Ich bin gespannt… und : melde Dich mal wieder :-)
Deine Mama

Dorit schrieb dies am 01.07.14 um 9:12 am.

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