Eigentlich sollte ich jetzt erstmal über Mérida berichten. Allerdings sind meine Fotos alle nichts geworden und außerdem kann ich guten Gewissens auf Jonas’ Blog verweisen; dem Beitrag ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Ich weise auch noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass man auf Jonas’ Blog unsere aktuelle Position bestaunen kann.

Nun aber zu den wirklichen News: Wir sind in Kolumbien! Das war so: Eigentlich wollten wir gestern abend mit einem komfortablen Bus nach Maracaibo fahren, von wo aus man ziemlich bequem in Richtung kolumbianische Grenze vorstoßen kann. Leider wurde daraus nichts, denn just an diesem Freitagabend fiel einer der Busse nach Maracaibo aus und daher waren alle anderen bereits ausgebucht, als wir am Terminal ankamen. So blieb uns nichts anderes übrig, als uns auf ein Carro Particular einzulassen, was am Ende nichts anderes bedeutet, als dass jemand, der mitgekriegt hat, was am Terminal läuft, die verzweifelten Übriggebliebenen einsammelte und mit seiner Privatkarre nach Maracaibo fuhr. Autofahren in Südamerika ist nicht wie Autofahren in Europa. Es gibt kaum Gurte, außer für den Fahrer, und auch wie viele Leute jetzt wirklich in einem Auto Platz haben, ist Definitionssache und kommt darauf an, wie viele man rein- oder raufquetschen kann. So sieht man nicht selten vierköpfige Familien auf einem kleinen Motorrad oder eben 3 statt 2 Leuten auf der Vorderbank eines PKW. Zum Glück sind die Straßen meist so schlecht, dass ein Tempo über 50 nicht zu halten ist.

Was zählt, ist, dass wir mitten in der Nacht in Maracaibo ankamen, übrigens die zweitgrößte Stadt Venezuelas und direkt am Maracaibo-See gelegen, dem Venezuela den Großteil seiner Ölvorkommen zu verdanken hat. Nebenbei bemerkt, ein Liter Bezin kostet in diesem Land rund einen Cent. Von dort aus ging es erst richtig los, denn ohne Pause stiegen wir in die nächste, fast identische Klapperkiste um (diesmal mussten wir vorn sitzen, wogegen ich mich zuvor noch erfolgreich hatte wehren können), die uns in die erste Stadt hinter der kolumbianischen Grenze bringen sollte. Leider hatte einer unserer Mitfahrer kein gültiges Ausweisdokument bei sich, weshalb bei jedem Polizeiposten (und davon gibt es nicht zu wenige) kräftig geschmiert werden musste. Beim ersten Mal war ich noch entsetzt, dann wurde es schon zur Gewohnheit, zumal sie sich für uns auch nicht zu interessieren schienen. Ein Blick in unsere Gringo-Gesichter, und die Polizisten wandten ihre Aufmerksamkeit der Rückbank zu. Nur beim Zoll, da musste Jonas sein Gepäck vorführen, inklusive Scheinchen, von denen am Ende aber doch alle noch da waren.

Für uns schengenverwöhnte Mitteleuropäer ist es ja kaum vorstellbar, was für ein Aufwand so ein Grenzübertritt ist, vor allem zu einem Land, das noch immer gegen Drogenschmuggel kämpft. Erst muss man wie gesagt durch den venezolanischen Zoll, wo übrigens unser ausweisloser Mitreisender samt Familie mit zum Streben niedlicher Tochter zurückbleiben musste. Danach musste man eine Ausreisegebühr zahlen. Den dort erworbenen Wisch zeigte man dann bei der Ausreise vor und bekam einen Stempel in den Pass. Am nettesten war da noch die Einreise nach Kolumbien, da schien die Sonne auch schon schön und wir mussten nur noch sagen, wo wir hinwollten und was wir sonst so machen, schon druckte uns der nette Grenzbeamte einen Einreisestempel in den Pass. Nur noch eine Gepäckkontrolle, die aber eher oberflächlich war und an der das wohl Bemerkenswerteste war, dass uns der Polizist die Hand schüttelte, und “schon” hatten wir es geschafft.

Nachdem der Taxifahrer noch versucht hatte, uns unter Ausnutzung der natürlichen Verwirrung aufgrund einer neuen Währung ein bisschen abzuziehen, mussten wir wohl oder übel in den nächsten Bus springen. Auch diesmal hatten wir nicht das Glück, an ein bequemes Gefährt zu geraten, sondern fanden uns völlig übermüdet in einem viel zu engen Minibus wieder, der Platz für das Gepäck nur auf dem Dach bot. Schier endlos war die Fahrt nach Santa Marta, die Stadt, in der Simón Bolívar gestorben ist und von der aus Hikes nach Ciudad Perdida starten. Völlig fertig erreichten wir endlich unser Hostel – ja, es gibt sie endlich wieder! Hostels, Leute treffen, englisch reden! Und achja, wenn man hier einen frisch gepressten Saft für ca. 1 € bestellt, bekommt man gleich einen kleinen Eimer voll.


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Kommentare ( 1 Kommentar )

Hallo Ihr Weltenbummler, ich grüße Euch ganz herzlich. Wir sind schon wieder im Heimatland nach 14 Tagen Urlaub in der Lausitz und an der Ostsee. Am 11.08. wäre Deine Urgroßmutter 110 Jahre geworden. Bleibt gesund und noch viel Spaß

Opa Sigge schrieb dies am 20.06.10 um 8:15 am.

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