Unsere zweite Woche Kuba verbrachten wir in der Provinz Sancti Spíritus, die unter anderem die zweitbeliebteste Touristenstadt Kubas beherbergt: Trinidad ist schon seit einiger Zeit UNESCO-Weltkulturerbe und ist deshalb weniger herunter gekommen. Neben der sehr hübschen Stadt haben wir uns einige Ausflüge angetan: Mit einem Taxi (anders geht es nicht) sind wir in den Nationalpark Topes Collantes gefahren und sind dort ein bisschen durch den Regenwald gelatscht. Das Highlight war eine Höhle, in der es einen See gab, in dessen eiskaltem Wasser man auch schwimmen kann. Vorzugsweise sollte man sich vorher ausziehen, worauf ich aber, abenteuerlustig wie ich bin, verzichtete.

Auch eine Fahrt mit der Tuff-tuff-Eisenbahn in die ehemaligen Zuckeranbaugebiete durfte nicht fehlen. Dort konnte man vor allem einen Turm besichtigen, von dem aus früher die Sklaven überwacht wurden. Sympathisch. Nach einer wie immer sehr ausgedehnten Siesta machten wir uns einmal mehr auf zu einem vielgelobten Strand, dieses Mal Playa Ancon. Da das mit dem Moped ja so schief gegangen war (und es auch nur 12 statt 65 km zum Strand waren), entschieden wir uns für Fahrräder, mussten aber leider von einigen geschäftstüchtigen Locals ein paar Schrottmühlen mieten, da der offzielle Verleih nur morgens verfügbar ist (?!). Was soll ich sagen, auf dem Rückweg ging Jonas’ Fahrrad natürlich kaputt und wir mussten schieben. Außerdem warne ich hiermit jeden vor: An der Südküste von Kuba wird in puncto Wassertemperatur der Punkt erreicht, an dem Baden keine Erfrischung mehr bringt!

Die letzte Nacht auf der größten Karibikinsel verbrachten wir in der unterbewerteten Stadt Sancti Spíritus. Während Cienfuegos (unseren Besuch da habe ich aus gutem Grund nicht erwähnt) Weltkulturerbe ist, steht diese Stadt im Schatten von Trinidad, dabei ist es auch hier sehr hübsch und es gibt ein paar für kubanische Verhältnisse ganz gute Restaurants. Größter Vorteil: Man wird nicht ständig von der Seite angelabert, weil die Leute nicht mit Touristen rechnen.

Trotz allem waren unsere Tage auf Kuba gezählt und am Abend des 8. Juni machten wir uns im auf rekordverdächtige 15 Grad Celsius heruntergekühlten Nachtbus auf den Weg zum Flughafen von Havanna. Von dort auf flog uns ein etwas klappriges Flugzeug nach Caracas, das wir jedoch ob seines blutrünstigen Rufes als kriminellste und gefährlichste Stadt der Welt postwendend in Richtung Maracay verließen. Dort regnete es, am hellichten Tag, wir waren völlig begeistert! Außerdem schwante mir, dass Venezuela ein tolles Land ist, als ich das erste Mal einen Batido de Fresa probierte, was man mit einem Erdbeersmoothie vergleichen könnte. Von diesen roten Früchtchen haben sie hier jedenfalls genug. Auch fiel sofort auf, dass die Leute einfach um Welten freundlicher sind. Da mein Spanisch auch zunehmend besser wird, fühle ich mich jetzt schon sehr wohl. In Maracay fanden wir vor allem zwei Dinge heraus: 1) Um Lebensmittel zu kaufen, geht man nicht in den Supermarkt, sondern auf den MARKT. 2) Man kann hier kein Geld abheben, sondern man wechselt, und zwar inoffiziell, da der offzielle inoffizielle Wechselkurs ungefähr doppelt so gut ist wie der offzielle (statt knapp 4 bekommt man über 8 Bolívares für seinen Euro). Das liegt daran, dass die hiesige Währung starr an den Dollar gekoppelt ist, was den Bolivar lächerlich überbewertet. Zum Glück hatte Jonas an Devisen gedacht.

Unser erstes richtiges Ziel in Venezuela hieß Henri Pittier Nationalpark, wo es nicht nur unzählige bunte Vögelchen zu beobachten gibt, sondern auch wunderbar erhaltenen Cloud Forest.

In unserem Reiseführere hörte es sich so an, als würde es bei der Biologischen Station Rancho Grande so etwas wie ein Hostel geben, was jedoch dem dortigen Biologen nur ein unverständliches Lächeln entlockte und so waren wir froh, dass wir überhaupt dort bleiben konnten. Die Station ist in einem nie fertig gestellten Hotel untergebracht, das ein Diktator namens Gomez in den 30ern dorthin bauen wollte. Entsprechend durchgelegen waren die Matratzen und knapp die Stromversorgung und nachts wurde es, wie man im Vogtland so schön sagt, finster wie im Bärenarsch.

Die venezolanischen Ökologiestudenten, die wir dort auf Exkursion antrafen, ließen sich jedenfalls nicht lumpen und gaben uns etwas von ihrem leckeren Essen ab und klärten uns auf einer Nachtwanderung über einige Insekten auf. Auf Unverständnis stieß ich hingegen mit meiner Vorliebe für Computer und theoretische Arbeit, aber das ist eben die ganz andere Seite von Biologie.

Da man leider ohne Auto keinen Wanderweg außer einem erreichen konnte, der ungefähr eine halbe Stunde dauert, fuhren wir am nächsten Tag (11.6.) mit der Studenengruppe zurück nach Maracay, wo wir in einen Bus nach Mérida sprangen, diesmal schlauer und mit Schlafsäcken ausgerüstet. Nun sind wir also hier, in den venezolanischen Anden, und freuen uns auf ein paar aufregende Tage, denn wir haben bei einem äußerst netten kanadisch-polnischen Tourorganisator ein paar Sachen gebucht, über die noch zu berichten sein wird. Morgen ziehen wir auch von unserem fensterlosen Zimmer in einer so genannten Posada (sowas wie ein Gästehaus) in das Zimmer um, das er in seinem Haus direkt am Abhang mit Blick ins Tal und auf die Berge vermietet. Juhu! Einen niedlichen Hund und ein Kätzchen gibt es auch.


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Kommentare ( 1 Kommentar )

ich muss gestehen, ich habe etwas den überblick verloren, wo ihr eigentlich die ganze zeit rum reist! es klingt auf jeden fall super abenteuerlich und ich freue mich schon auf den dia-abend mit detailreichen geschichten aus südamerika! dicken knutsch aus kopenhagen!

Jan schrieb dies am 16.06.10 um 7:41 am.

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