Wir kamen in der ziemlich seltsamen Stadt, die Havanna heißt, etwas verfrüht an – wir hatten das Datum unseres Fluges vercheckt, konnten aber zum Glück umbuchen. In Havanna habe ich das erste Mal die Erfahrung gemacht, wie es ist, von den Einheimischen als stinkreich betrachtet zu werden: Einige Leute wollen einen abziehen, jeder will einem irgend etwas verkaufen, und “No, Gracias” wird zum lebenswichtigen Equipment. Anfangs fiel es mir recht schwer, mich dazu einzustellen, und ich fange erst langsam an, Kuba zu kapieren. Es ist tatsächlich so, dass Fidel und Che und die Revolution allgegenwärtig sind. Im Revolutionsmuseum konnte man lernen, wie supertoll Kuba ist und das alles Schlechte die Schuld der CIA/des Imperialismus ist. Das war gleichzeitig witzig und gruselig. Überall gibt es Denkmäler und viele Männer tragen stolz ein Che-Tattoo auf der Brust. Gleichzeitig laufen Arsch-und-Titten-Ami-Hip Hop-Videos in den Bars.

Erst seit vergleichsweise kurzer Zeit ist es Einheimischen überhaupt erlaubt, mit Touristen Kontakt zu haben, d.h. sich in Hotels aufzuhalten und Gäste aus dem kapitalistischen Ausland bei sich unterzubringen. Internet hat niemand zu Hause und auch ein Telefon zu haben ist alles andere als selbstverständlich. Touris werden weiterhin sorgfältig gekennzeichnet: Die Nummernschilder von Mietwagen sind rot und es gibt sogar eine eigene Währung für Ausländer (Pesos Convertibles, kurz CUC), die gegenüber der Moneda Nacional den Vorteil hat, dass man sie umtauschen kann und alles Mögliche davon kaufen kann, was man sich sonst niemals leisten könnte. Deshalb ist es für Kubaner ziemlich wichtig, an CUC zu kommen.

In Kuba ist das Essen leider nicht so gut, dafür aber teuer. Unterkünfte gibt es, abgesehen von Hotels, die für uns unerschwinglich und langweilig sind, vor allem in Form von Casas Particulares, also Privathäusern, in denen ein, zwei Räume vermietet werden. Man kann dann auch dort essen. In Havanna hatten wir Glück mit unserer Wirtin, sie hat uns zwei Mal sehr leckeres Essen gemacht und war auch sonst wie eine nette Omi. Wir haben aber auch andere Optionen ausprobiert, alles mehr oder weniger mittelmäßig und/oder überteuert. Havanna ist nicht so mein Ding: Klar, die alten Autos, aber alles ist verfallen, bis auf die Altstadt, die für die Touristen schön aufgehübscht ist, aber da haben wir nicht gewohnt. Die meisten Ecken scheinen öffentliche Toiletten zu sein, was man vielleicht versteht, wenn man weiß, dass das Abwassersystem hier (und wohl fast überall in Lateinamerika) relativ schlecht ist, sodass man Klopapier zum Beispiel nicht in die Toilette, sondern in den Mülleimer werfen muss (ist weniger schlimm, als es sich anhört). Falls ein Klo in der Nähe ist, heißt das.

So war ich nicht böse, dass wir am 30.5. in den Bus nach Viñales gestiegen sind und nun in einem sehr ruhigen Dörfchen in einem grünen Tal residieren. Unsere Gastgeberin ist zwar ziemlich entsetzt, dass wir nicht jeden Abend bei ihr essen, hat sie uns doch das Zimmer zu einem Spottpreis angeboten, aber das können wir auch nicht ändern. Gestern waren wir jedenfalls Reiten, ja, mit Pferden und so, das war sehr schön, aber auch anstrengend, sodass unsere anschließende Siesta etwas außer Kontrolle geriet. Die Abende sind aber sowieso das Schönste: Auf der Veranda, im Schaukelstuhl, mit nicht zu vernachlässigenden Mengen an Rum. Der ist nämlich recht billig, jedenfalls für uns Touristen. Vielleicht werde ich ja noch war mit Kuba.

Gestern unternahmen wir dann etwas sehr Verwegenes: Wir mieteten ein Moped und fuhren damit an den 65 km (!) entfernten Strand auf einer kleinen Insel. Dort war Kuba endlich so, wie ich es mir vorgestellt habe: Kristallklares, fast schon unerfrischend laues Wasser an einem menschenleeren Strand. Warum nicht gleich so?

Auf dem Rueckweg schlug allerdings das Schicksal zu, vielleicht war es die Strafe dafuer, dass wir unseren Gastgebern kulinarisch gesehen die kalte Schulter gezeigt hatten (vielleicht auch nicht): Nachdem wir noch einmal getankt hatten, sprang das Ding nicht mehr an! Sogleich standen 5 bis 10 (OK, drei) Leute um uns herum und versuchten zu helfen. Kuba hat also auch diese Seite! Leider konnte auch der laut Konsens geniale oertliche Mechaniker das Problem nicht loesen, obwohl er es zwei, drei Stunden versucht hat. Waehrenddessen schauten wir dem bunten Treiben um uns herum zu: Huehner mit jeweils mindestens 5 Kueken, alle niedlich piepsend, Ferkel, leider ohne Ringelschwaenze, eine vorwitzige Ente und Mangobaeume, von deren Fruechten wir dann sogar kosten duerften (unbeschreiblich gut). Schon lustig, was man bei uns als Ferien auf dem Bauernhof verkaufen kann, ist in Kuba alltaeglich und alles andere als lustig.

Ueber die Franzosen, die abends im einzigen Restaurant von Venales, das den Namen auch verdient hat, nach Serranoschinken gefragt haben, konnten wir jedenfalls nur lachen.


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