Alles so hübsch hier

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Tja, nun hat es doch sehr lange gedauert, bis ich mich mal wieder hingesetzt habe. Aber seid versichert, dass der Grund dafür darin liegt, dass es gerade ein paar Dinge gibt, die interessanter sind als drinnen vorm Computer zu hängen. Hier nun ein Bericht von einem Ort, der in vielerlei Hinsicht das andere Ende vom Japan-Spektrum respräsentiert. Statt großer Stadt Einsamkeit. Statt Hitze in Tokyo Erfrischung in den Bergen. Statt Hektik Entspannung. Statt Alltag – jedes Detail ein Erlebnis. Ich spreche von meinem Wochenendausflug in einen Onsen-Ort, wo ich schon vor mehreren Wochen mit meinem Freund Manuel, der zufällig zur selben Zeit in Tokyo war, hingefahren bin, denn ohne Onsen kann ein Besuch in Japan nicht vollständig sein. Die Fotos, die ich hier zeige, sind auch alle von Manuel, da er a) eine echte Kamera hat, b) der weitaus bessere Fotograf ist, und c) ich mein Handy verlegt hatte.

Also erstmal, Onsen ist ein Thermalbad, wovon Japan natürlich endlos viele hat, da es sich um ein Land handelt, das quasi direkt auf einer riesigen Herdplatte sitzt, auch bekannt als “geologische Bruchzone” – tektonische Platten treffen zusammen, und das hat eben gute und schlechte Seiten, wobei Onsen eher zu den guten zählt (Erdbeben dagegen weniger). Man hat also heißes Wasser, das direkt aus der Erde quillt und dabei mit irgendwelchen Mineralien oder Ähnlichem angereichert ist, das irgendwie gut für einen ist, auch wenn es da, wo wir waren, nicht so gerochen hat – Schwefel. Nun gibt es Onsen (fast) überall, aber zusätzlich darf man die Erfahrung nicht versäumen, in einem traditionellen japanischen Gästehaus zu übernachten, genannt Ryokan. Wir also stundenlang mit Shinkansen (!) und Bus gen Norden. Immer bergauf. Das Ryokan befand sich in einem Dorf, in dem es außer ein paar Spa-Hotels und einem einzelnen Laden mit Souvenirs und Teestube absolut gar nichts gab. Ein Onsen ist dann gut, wenn es das Wasser direkt von der Quelle bekommt, man also drin badet, ohne dass es abkühlt und wieder erhitzt werden muss – in diesem Sinne war das Ryokan, zu dem wir ungefähr 20-30 Minuten steil bergauf laufen mussten, viel besser als die Hotels.

Als wir ankamen, stellte sich erstmal heraus, dass niemand dort englisch sprach und für ein paar Minuten war ich besorgt, ob wir unser Zimmer bekommen würden. Am Ende klappte es aber und wir wurden nach oben geführt. Traditionelle japanische Zimmer, das heißt, dass der Boden mit Tatami-Matten ausgelegt ist, die aus Reisstroh bestehen. Um zu verstehen, wie wichtig Tatami ist, ist es gut zu wissen, dass selbst heute noch Tatamiräume zu vielen japanischen Wohnungen gehören und dass deren Größe so wie früher nicht in Quadratmetern, sondern in Anzahl der Matten gemessen wird. Dementsprechend muss man auch seine Schuhe ausziehen, was dem hausschuhliebenden Deutschen natürlich entgegenkommt. Außerdem gibt es keine Stühle, sondern man sitzt auf Kissen um den niedrigen Tisch, auf dem das Essen serviert wird (aber dazu komme ich gleich) und man schläft nicht in Betten, sondern auf Futons (dünnen Matratzen), die man auf dem Boden ausrollt und tagsüber in den Schrank räumt.

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Dann also Onsen! Wir haben erstmal unsere Yukatas angezogen – eine Art Bademantel, aber natürlich hübscher, in dem dort jeder die ganze Zeit herumläuft. Man badet nackt, weshalb Onsen normalerweise, wie Badehäuser, nach Männern und Frauen getrennt sind, aber da wir das ein bisschen sinnfrei fanden, erst zusammen wo hinzufahren, um dann getrennt zu baden, hatten wir ein gemischtes Onsen rausgesucht. Bevor man sich in eine thermalwasserbefüllt Wanne setzt, muss man sich ordentlichst abschrubben, was man im Sitzen auf einem putzigen kleinen Hocker tut. Man sitzt, damit man nicht Wasser auf andere Leute spritzt, denn Rücksichtnahme ist eins der wichtigsten Prinzipien in einem Onsen, und zu einem recht hohen Grad in der japanischen Gesellschaft allgemein (die Duschräume sind trotzdem getrennt). Sobald man sauber ist, kann man nach Belieben die verschiedenen Becken ausprobieren. Das erste, in das ich mich reinsetzen wollte, war schon mal viel zu heiß. Glücklicherweise gab es aber zahlreiche Außenbecken, sogar mit Ausblick, obwohl wir uns auch da ordentlich einen abgeschwitzt haben, da die Sonne schien, und es war Juli und so weiter. Der Geruch war auch nicht so lieblich, aber ich bin sicher, es hat unserer Gesundheit sehr gut getan.

Übrigens ist dieses Prinzip nicht nur auf Onsen, sondern auch auf normales Wasser anzuwenden. Sowohl in Badehäusern, wovon es noch ziemlich viele gibt, als auch zu Hause wird sich erst geduscht, dann in die Wanne gesetzt. Auf die Art können mehrere Personen das Wasser benutzen, und wenn ich es mir recht überlege, ist das auch weitaus hygienischer.

Nun aber zum wirklich wichtigen Teil. Ryokans haben den Ruf, sehr hochwertiges Essen zu servieren. Wir haben das getestet, und ich muss sagen, es stimmt. Das Abendessen wurde uns ins Zimmer gebracht. Als sie das erste Tablett reintrugen, dachte ich, hmmm, das ist ja nicht sehr viel, ob da noch was kommt? Als sie das zweite Tablett reintrugen, dachte ich, ja, ok, das ist ja schön. Und dann kam noch ein drittes Tablett, das sich quasi durchbog unter dem Gewicht der Leckereien, die es beherbergte. Natürlich könnten wir nicht alles identifizieren, und fragen konnten wir auch nicht, aber probiert haben wir alles.

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Schaut euch erstmal an, wie hübsch das alles aussieht! Dass das Auge mitisst hat niemand so gut verstanden wie die Japaner. Wir haben da also: außerhalb vom Tablett, in der größeren blauen Schüssel, Sashimi, also dünn geschnittenen rohen Fisch, auf dem viereckigen Teller, gegrillten Fisch, in der kleinen schwarz-roten Schüssel, Soba, eine Art Vollkornnudeln, und rechts in der rosa Schüssel, Wasserkastanien. In der zugedeckten kleinen braunen Schüssel ganz recht, Misosuppe mit Tofu und Algen. Auf dem Tablett, verschiedene Gemüsesachen, z.B. Bohnen in Sesamsauce. Die große braune Schüssel, deren Deckel ich da so lüpfe, war das Highlight. Da waren dünn geschnittenes Rindfleisch, Pilze und verschiedene Gemüse drin, und drunter war ein Feuerchen, das diese Sachen bei geschlossenem Deckel gedämpft hat. Das nennt man Sukiyaki. Nicht im Bild ist die gigantische Schüssel mit Reis, die wir nicht mal annährend leer bekommen haben.

In Japan wird es wahnsinnig früh hell (so um 4) und ziemlich früh dunkel (ungefähr halb 7), und da es dort oben nicht so viel zu tun gab, konnten wir uns diesem Tagesablauf auch anpassen. Das heiße Wasser hilft natürlich beim Schläfrigwerden. So schafften wir es, vor dem Frühstück, das um 7 serviert wurde, noch schnell ein bisschen zu onsen. Wer schon immer wissen wollte, was Japaner zum Frühstück essen – das hier:

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Also nix Cornflakes, Brot sowieso nicht. In der großen rotbraunen Schüssel ganz rechts ist natürlich Reis drin. Das rosa Ding auf dem viereckigen Teller ist Lachs. Und das Ei war halbroh, man isst es mit Reis vermischt. Das Einzige, was wir beide total widerlich fanden, war Natto, was in der kleinen weißen Schüssel unten in der Mitte ist, rechts vom Ei. Das sind fermentierte Sojabohnen und die schmecken wie verfaulter Kaffeesatz. Misosuppe und Reis möchte ich jetzt bitte immer zum Frühstück haben, ja? Das Einzige, was mir fehlt, ist Obst, was hier aus irgendeinem Grund Luxusgut und somit sauteuer ist – etwa 4 Euro für zwei Pfirsiche! Dafür schmecken die dann: perfekt.

Ein neuer Kontinent

 

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Shibuya Crossing, eine der größten Kreuzungen Tokyos – *klick*

Ich bin zurück! Oder besser gesagt, ich bin mal wieder weg! Seit über einem Monat bin ich nun schon in Japan, und somit wird es höchste Zeit, dass ich mal aufkläre, was mir hier so passiert. Die allgemeinen Vorstellungen von Japan sehen ja in etwa so aus: total verrückt alles, eine unmögliche Sprache, seltsames Essen, überaus höfliche Menschen, die keinen Alkohol vertragen, dafür aber 14 Stunden am Tag arbeiten, und zweifelhafte Etablissements, wo man sich von seinem Lieblings-Anime-Charakter die Ohren putzen lassen kann. Dazu noch Erdbeben, Taifune und Tsunamis, und wir haben den perfekten Urlaub. Was ich sagen kann, ist, das manches davon stimmt – die Alkoholtoleranzgrenze ist tatsächlich recht niedrig, und einige Erdbeben gab es auch schon. Das “total seltsam”-Vorurteil ist allerdings nur teilweise wahr.

Letztendlich ist Japan eine hochentwickelte Industrienation, sodass man als Mensch aus einer hochentwickelten Industrienation schon bei vielem weiß, wie es funktioniert – U-Bahn fahren, in den Supermarkt gehen, Müll trennen. In den meisten Restaurants gibt es englische und/oder bebilderte Speisekarten, und so seltsam ist das Essen dann auch nicht; vor allem ist es natürlich unglaublich gut, und es gibt unfassbar viel davon, überall, und Tokyoter sind davon völlig besessen, vielleicht, weil Tokyo ansonsten eine ziemlich hässliche Stadt ist und geschichtlich gesehen nicht der interessanteste Ort in Japan (das wäre dann wohl Kyoto). Obwohl man die Sprache nicht versteht – außer “danke” (arigato) und “Entschuldigung” (sumimasem) kann ich im Grunde gar nichts sagen – sind die Leute suuuuperfreundlich und geben immer ihr Bestes, um einem zu helfen. Auch sonst ist Tokyo für eine 23-Millionen-Stadt (soweit ich das sagen kann) relativ entspannt, weil eben nicht dauernd – wie in gewissen anderen Ländern – Leute gegen einen rennen, weil sie nicht aufpassen oder schlicht drängeln.

In Kürze folgen ein paar konkrete Berichte, aber jetzt zeige ich einfach ein paar Fotos als Zusammenfassung der letzten Wochen. Sind nur mit Hanykamera gemacht, daher nicht so toll, aber immerhin besser als nichts! (Durck Anklicken kommt man zu einer größeren Ansicht.)

Das Letzte

Jetzt stehe ich vor der schwierigen Aufgabe, diesen Blog abzuschließen. Auch wenn ich zumindest für zwei der drei Wochen, die ich wieder in Deutschland bin, eine gute Ausrede habe – es musste geheim bleiben, damit ich meine Freundin zu ihrem Geburtstag überraschen konnte – ist die Prokrastinationstendenz nicht zu übersehen. Wie soll ich das zusammenfassen? Fangen wir mit dem einfachsten an: Was ich die letzten Woche in Ecuador gemacht habe. Nämlich: Surfen lernen. Das war nicht nur schön, sondern auch cool. Ich stand beim ersten Mal und muss jetzt überlegen, wo ich als nächstes hinfahre, um weiter zu üben, damit dieser Sport nicht dem gleichen Schicksal wie meine Snowboard-Ambitionen anheim fällt – verlernen wegen Überteuerung.

Zuerst wollte ich die Tops und Flops auflisten, aber das wäre wohl ziemlich langweilig für euch. Stattdessen will ich versuchen zu sagen, was diese Reise für mich verändert hat, soweit ich das bisher feststellen kann.

Zuerst einmal ist es jetzt nicht mehr unvorstellbar, wie weit etwas weg sein kann, wie klein Europa und wie groß eigentlich fast alles andere ist. Japan, Kambodscha, Patagonien – alles auf der Liste, alles mit guter Planung und ein bisschen Mut machbar. Ich weiß jetzt auch, dass ich in Ländern mit Gringo-Trail sehr gut allein reisen könnte, was ich beim nächsten Mal dann ausprobieren muss. Reisen sind somit kein Once-in-a-lifetime-Ding mehr, sondern etwas, was in meinem Leben wichtig und selbstverständlich werden kann.

Ich habe auch das erste Mal geshen, was es heißt, dass wir “auf Kosten der Dritten Welt leben”. Was man als Europäer für selbstverständlich hält, gibt es nicht oder kaum. Man kann vom Staat keine Hilfe erwarten, soziale Gerechtigkeit ist nicht vorhanden. Erklärt mal den Leuten dort, dass sich bei uns über jede Verspätung bei der Bahn echauffiert wird und sich Leute darüber ärgern, dass die Müllabfuhr so laut ist, wenn man dort nicht einmal das Toilettenpapier ins Klo werfen kann, weil die Kanalisation damit nicht klarkommt. Wäre hier nicht alles so stressig, es käme mir vor wie im Schlaraffenland: Ich kann mir aussuchen, was ich mal werden will, bei der Wohnungssuche sage ich bei einem Zimmer unter 15 m², dass mir das zu klein ist, und meine Eltern haben auch noch die Kohle, mir das zu finanzieren.

Zur Zeit kann ich keine Zeitung in die Hand nehmen. Denn ich rege mich nur auf. Entweder es ist einfach nur schrecklich und aussichtslos (Pakistan), dumm, dumm, dumm (Sarrazin) oder irrelevant, irrelevant, irrelevant (Google Street View). Es kommt mir so vor, als ob alles, was darin steht, nur die halbe Wahrheit ist und das Wichtigste weglässt – nämlich dass die Armut der anderen uns reicher macht. Diese Reise hat mir gezeigt, dass das nicht nur eine naive Ansicht der linken Spinner in den besetzten Häusern ist, die nichts können und deshalb gegen Kapitalismus sind, sondern eine Wahrheit, die viel einfacher ist, als ich dachte.

Ich bin also gleichzeitig zufriedener und unzufriedener geworden – zufriedener mit dem, was ich habe und mit meinen Perspektiven, unzufriedener mit diesem Land, der Politik und der unbeschreiblichen Dummheit der Massenmedien. Und damit muss die schwarzezitrone. ab jetzt auch arbeiten. Ich hoffe, es hat euch gefallen. Wenn ihr mir nicht glaubt, fahrt selbst hin. Und wenn doch – macht es trotzdem. Denn das Leben ist nach dem Zurückkommen anders als vor dem Wegfahren.

Tanz auf dem Vulkan… nicht.

 

Am 24.Juli bin ich also wieder einmal auf dem Landweg nach Ecuador gelangt. Schlappe 24 Stunden hat es von Salento nach Quito gedauert.  In Quito gibt es eine Seilbahn, die den Teleférico in Bogotá ganz schoen alt aussehen laesst; da oben bekommt man sogar Atemnot. Ich kann dazu nur Jonas’ Panoramabild empfehlen.

Als naechstes ging es jedenfalls nach Latacunga, um von dort aus den Cotopaxi zu bezwingen. Das ist ein 5900m hoher erloschener Vulkan, der auf den letzten paar hundert Hoehenmetern von ewigem Eis bedeckt ist. Da man den Gipfel fast nie sieht, bricht man kurz nach Mitternacht auf, um am fruehen Morgen oben zu sein und die Chance auf einen Ausblick zu haben. So weit, so gut, wir quaelten uns zum Refugio auf 4800m und schlotterten dort eine halbe Nacht durch, waehrend unsere Koerper fleissig rote Blutkoerperchen produzierten, um den abnehmenden Sauerstoffgehalt der Luft halbwegs auszugleichen. Als wir aufbrachen, lagen 10 cm Schnee auf dem Platz vor dem Refugio und 2 cm im Vorraum, denn der Sturm war auch nicht from bad parents.

Naja, um es kurz zu machen, wir mussten leider unverrichteter Dinge umkehren. Angesichts von Dunkelheit, Schneesturm und Gletscherspalten schien es sich kaum zu lohnen, sich weitere 5 Stunden zum Gipfel zu schleppen, nur um dann genau nichts zu sehen. Schon mal ein Grund, nochmal herzukommen.

Der naechste Vulkan folgte in Baños – und dieser ist aktiv. Tungurahua erwaermt in der Naehe des netten kleinen Ortes mit freuhlingshaftem Klima freundlicherweise jede Menge Thermalwasser und machte meinen Aufenthalt damit mehr als angenehm.

 

 

Dann brach Jonas zu den Galápagos-Inseln auf, fuer viele der Hauptgrund, Ecuador zu besuchen, fuer mich der finanzielle Ruin. Ich blieb erstmal in Baños und radelte zusammen mit zwei Kanadiern die “Ruta de las cascadas” (Wasserfallroute) entlang, um schliesslich beim “Teufelskessel-Wasserfall” anzukommen. Das ist mal ein passender Name.

 

In den Kessel will nicht mal Obelix fallen.

 

Jetzt befinde ich mich an der Kueste, in Puerto López, und habe gestern eine Tour zur Isla de la Plata (Silberinsel) gemacht. Dort gibt es Blaufusstoelpel, Fregattvoegel und einiges mehr und auf dem Weg kann man Buckelwale und Schildkroeten beobachten. Erstere sind ganz schoen gross, letztere meine Lieblingstiere und soooo nett! Wenn ihr euch jetzt das Paradies vorstellt, praesentiere ich euch hiermit die hiesige Vegetation incl. Wetter:

 

Idyllisch.

 

Aber es hat auch seinen Reiz.

 

Da weiss man wenigstens, warum baden verboten ist.

Abschlussbericht Kolumbien

Wir sind ja nun schon eine Weile in Südamerika. Am 20.6.2010 sind wir nach Kolumbien eingereist und erst gestern habe ich die ecuadorianische Grenze überschritten und das Land von Kaffee, Koks und Kunstbusen hinter mir gelassen. Ich habe es schweren Herzens getan, denn es hätte noch so viel mehr zu entdecken gegeben – aber das gilt für die vielen anderen südamerikanischen Länder schließlich auch.

Zuletzt waren wir also in der Kaffee-Region, wo schöne Aussichten und angenehmes Klima sich mit einem Überangebot an gutem Kaffee verbinden. Auch über unsere Unterkunft konnte man nicht meckern.

Blick auf Kaffeeplantagen in der Nähe von Manizales

Eine der schönsten Unterkünfte bisher war die Hacienda Venezia in Manizales, eine Kaffeefarm, die selbst Kaffee anbaut und exportiert.

Blick ins Cocora Valley in der Nähe von Salento. Hier gibt es übrigens auch viele Pilze.

Ich möchte nun aber endlich mal der Bitte einer einzelnen Person nachkommen, doch mal zu erklären, wie es denn eigentlich so ist in Kolumbien. Man kennt ja nur das Koks-und-Räuberpistolen-Klischee, das eher abschreckend wirkt. Ich habe zwar schon mehrfach gelesen, dass weiterhin 80% des weltweit konsumierten Kokains aus Kolumbien stammen soll, habe dafür jedoch keine aktuelle Quelle gefunden. Im World Drug Report 2009 ist jedenfalls von knapp über 50% die Rede, was immer noch genug ist.

Sicherheit

Ich persönlich habe das weiße Pulver nur in Bogotá zu Gesicht bekommen, wo man es direkt von den Sicherheitsleuten erwerben kann, die dazu da sind, die Touristen zu bewachen. Die Sicherheitslage scheint in der Hauptstadt in der Tat nicht mit Europa vergleichbar zu sein, aber wenn man seinen gesunden Menschenverstand einsetzt und vielleicht noch den Kolumbianer an der Hostel-Rezeption um Rat fragt und diesen dann beherzigt, hat man 80% der Sicherheitsrisiken bereits ausgeschlossen: Nachts nur in großen Gruppen herumlaufen, sonst Taxi fahren; nur offizielle Taxis verwenden; Wertgegenstände nicht offensichtlich herumtragen (bei einer riesigen Kamera wie Jonas’ gar nicht so leicht, um nicht zu sagen, unmöglich); beim Weggehen auf den eigenen Drink aufpassen und nicht mit Fremden high werden. Ähnliches gilt vermutlich für alle größeren Städte, vor allem touristische, wie Santa Marta, Cartagena, Cali, usw.

Tourismus

Sobald man jedoch die Städte verlässt, ist alles viel einfacher, angenehmer und sicherer als man denkt. Die Natur ist unglaublich vielseitig und die schiere Größe dieses Landes überwältigt einen immer wieder. In Villa de Leyva oder in der Kaffeeregion könnten auch Oma und Opa Urlaub machen, so nett ist es da und so sehr erfüllt es selbst europäische Touristenansprüche (nette Unterkünfte, gutes Essen, ansprechende Architektur, nicht zu heiß, weder Schlangen, noch Skorpione oder überdimensionierte Spinnen, was sicher nicht nur Oma und Opa freut). Den Weg zwischen zwei Touristen-Destinationen kann man mühelos in vielleicht etwas überklimatisierten, jedoch ansonsten sehr bequemen Reisebussen zu fairen Preisen zurücklegen. Es gibt vor allem auch alles, was das Herz eines Rucksacktouristen begehrt, denn das ist trotz allem die vorherrschende Art des Tourismus, jedenfalls von Ausländerseite: viele sehr schöne Hostels, billiges Essen, gute Busverbindungen und nicht zuletzt nette und hilfsbereite Menschen.

Kultur

Das einzige Problem ist, dass so gut wie niemand auch nur ein Wort englisch spricht. Warum auch, wenn man auf einem riesigen Kontinent wohnt, auf dem in fast allen Ländern spanisch gesprochen wird? Dazu kommt, dass Bildung hier anscheinend nicht so das große Thema ist. Kaum jemand studiert und ich glaube nicht, dass die Frage “Was willst du mal werden?” für die meisten viel mehr ist als ein längst vergessener Kindheitstraum, denn hier herrscht noch die Notwendigkeit, irgendwie zu überleben. Der Kokainhandel ist vor allem auch ein gesellschaftliches Problem, das zeigt, dass viele Menschen keine oder nur sehr unzureichende Alternativen haben. So sieht man oft ganze Familien in einem Minilädchen, das am Tag einen geschätzten Umsatz von 10 Euro macht und als Kaffeepflücker bekommt man für ein Kilo geerntete Früchte lächerliche 300 Pesos, was ca. 15 Cent entspricht. Dass der Lebensstandard allgemein viel geringer ist, sieht man schon an den Häusern – die meisten sehen etwas heruntergekommen aus, ich bezweifle, dass alle warmes Wasser haben, und viel Platz ist auch nicht. Entsprechend sind die Städte abgesehen von ihrer Kolonialarchitektur meist potthässlich, was von jeder Menge Dreck (Müllabfuhr? Nö!) und unzähligen räudigen Straßenkötern unterstützt wird.

Was hier keine Rolle spielt: Umweltschutz jeglicher Form, die Emanzipation der Frau, pünktlich zur Arbeit gehen.

Was eine große Rolle spielt: die Familie, gute Laune, große Brüste.

Worüber man sich als Deutscher/Europäer ärgert: eigentlich alles am Straßenverkehr , unzureichende Warmwassersysteme und natürlich Salsa.

Worüber man sich hingegen freut: einmal durch die ganze Stadt fahren kostet maximal 50 Cent, Fruchtsäfte, Empanadas (mit Fleisch o.ä. gefüllte frittierte Teigtaschen).

Ich hatte anfangs keinerlei Vorstellung von Kolumbien. Mittlerweile finde ich, dass es ein unheimlich vielfältiges Land ist – schon landschaftlich haben die Karibikküste und die Hohen Anden nicht viel gemeinsam, und die Kaffeezone, der Amazonas und die Pazifikküste sind noch einmal Geschichten für sich, von denen ich die zwei letztgenannten auslassen musste. Reisen ist einfach, denn es gibt einen gut ausgebauten “Gringo-Trail”, auf dem Ausländer üblicherweise unterwegs sind und dort Hostels und Aktivitätsmöglichkeiten finden. Ein bisschen enttäuscht bin ich davon, dass die Leute doch sehr USA- und Europa-orientiert sind und ich mit der Kultur nicht viel anfangen kann, u.a. da man in Kolumbien, im Gegensatz zu beispielsweise Mexiko, auch nichts mehr von der Ureinwohner-Kultur merkt.

Kurz – in Kolumbien kann ich so einiges an Zeit mit Reisen verbringen, aber leben würde ich hier keinesfalls wollen.

Wechselbad

Mittlerweile haben wir ja die kochend heiße Karibikküste hinter uns gelassen, denn das ging wirklich nicht mehr. Im unbestreitbar wunderschönen Cartagena fängt man schon früh um 7 an zu schwitzen, selbst wenn man bewegungslos im Bett verharrt. Daran konnte auch ein netter, wenn auch beinahe unerträglich touristischer Bootsausflug zum schönsten Strand der Gegend nichts ändern. Kolumbianische Touristen benehmen sich auch nicht besser als ausländische.

Cartagenas moderner Stadtteil bei der Rückkehr von unserem Bootsausflug.

Uns blieb also keine Wahl, wir mussten nach Süden, in die Berge. Ursprünglich war Medellín geplant, was seit dem gewaltsamen Tod Pablo Escobars und dem darauf folgenden Zerfall seines Kokain-Kartells als verhältnismäßig sicher und obendrein als Stadt des ewigen Frühlings gilt. Leider hielt uns ein anderes Kartell davon ab, nämlich das der Busgesellschaften, die schamlos Fahrpreise von Cartagena in ebenjene angenehm klimatisierte Stadt in die Höhe treiben. Daher landeten wir schließlich in San Gil, einer Abenteuersporthochburg, die uns allerdings nicht völlig überzeugen konnte. Allerdings besticht sie durch ihre Umgebung mit Wasserfall und verpennten Dörfchen.

Nicht der größte Wasserfall in der nächsten Umgebung...

Wir ließen es uns aber natürlich nicht nehmen, eine Abenteuer-Erfahrung mehr zu sammeln und so fanden wir uns matschbeschmiert uns klitschenass in einer dunklen Höhle wieder. Lustig war’s!

Rumkugeln. Ich bin das in der Mitte. Nota bene Jonas' Shirt!

Derzeit halten wir uns in Villa de Leyva auf, einem wirklich ganz reizenden Stätdchen in den Anden, das durch Panorama und Beschaulichkeit besticht.

Mag wie eine Fotomontage anmuten, ist aber völlig echt.

In der Umgebung kann man einiges erkunden, so auch ein fast vollständiges Ichthyosaurus-Fossil (das war also mal ein schwimmender Dino) und hübsche Seen, in denen man baden könnte, wenn es wärmer wäre. Gestern dann latschten wir einmal mehr stundenlang bergauf, um traumhafte Ausblicke und karge Berglandschaft mit geheimnisvoll wabernden Wolken im Iguaque Nationalpark zu genießen. Das war anstrengend, dafür aber teuer. Heute gucken wir Fußball und hoffen, dass unser aller Lieblingself noch die Bronzemedaille holt, auch wenn ich es Uruguay von Herzen gönnen würde. Die darauf folgende Party wäre dann hier drüben sicher auch besser.

Wärmstens zu empfehlen

Also, wie ist Ciudad Perdida? Schließlich ist sie der Grund für die meisten Backpacker, überhaupt nach Santa Marta zu kommen (da es sich hierbei um eine ziemlich unspektakuläre Stadt handelt). Fünf Tage wandern, dass man schwitzt wie nie zuvor, fünf Tage Flüsse überqueren, schlammige Abhänge hinunterrutschen, Moskitos hassen und trotzdem von ihnen und ihren Freunden gestochen werden. Fünf Tage in wunderschönem Regenwald wandeln, in gemütlichen Hängematten schlafen, nette Leute kennen lernen, in besagten Flüssen schwimmen.

Foto: Simon Crewdson

Das Ziel des Ganzen bekamen wir erst am Morgen des vierten Tages zu Gesicht, eine über 1000 Jahre alte Stätte, die sich in Form von eiförmigen Terrassen und einem Gewirr aus Treppen und Pfaden über unbeschreiblich grüne Hänge zog. Dazu fantastische Aussicht und Sonnenschein, der um die Uhrzeit noch nicht zu heiß war. 1200 rutschige kantige Stufen musste man erklimmen – aber abwärts war’s eigentlich viel schwerer und so mancher blauer Fleck dürfte auf Backpackerpopos erblüht sein.

Als Zugabe kann man jede Menge Indígenas treffen, die dort tatsächlich mitten im Urwald in winzigen Dörfern leben und die sich nur ungern fotografieren lassen. Einige von ihnen arbeiten allerdings auch für eines der vier Unternehmen, die die Touren (zu abgesprochenen Preisen) organisieren, als Guide oder als Maultiertreiber, also so furchtbar abgeschottet sind sie jetzt auch nicht, jedenfalls nicht diejenigen, die entlang der Gringoroute wohnen.

Morgen fahren wir nach Cartagena, da wir heute nicht umhin kamen, zusammen mit einigen der sehr zahlreichen Engländer das Deutschland-England-Match anzuschauen (jawoll!) und es deshalb dafür jetzt zu spät ist. Naja, bestell ich mir noch einen Eimer Saft.

Abenteuer Grenzübertritt

Eigentlich sollte ich jetzt erstmal über Mérida berichten. Allerdings sind meine Fotos alle nichts geworden und außerdem kann ich guten Gewissens auf Jonas’ Blog verweisen; dem Beitrag ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Ich weise auch noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass man auf Jonas’ Blog unsere aktuelle Position bestaunen kann.

Nun aber zu den wirklichen News: Wir sind in Kolumbien! Das war so: Eigentlich wollten wir gestern abend mit einem komfortablen Bus nach Maracaibo fahren, von wo aus man ziemlich bequem in Richtung kolumbianische Grenze vorstoßen kann. Leider wurde daraus nichts, denn just an diesem Freitagabend fiel einer der Busse nach Maracaibo aus und daher waren alle anderen bereits ausgebucht, als wir am Terminal ankamen. So blieb uns nichts anderes übrig, als uns auf ein Carro Particular einzulassen, was am Ende nichts anderes bedeutet, als dass jemand, der mitgekriegt hat, was am Terminal läuft, die verzweifelten Übriggebliebenen einsammelte und mit seiner Privatkarre nach Maracaibo fuhr. Autofahren in Südamerika ist nicht wie Autofahren in Europa. Es gibt kaum Gurte, außer für den Fahrer, und auch wie viele Leute jetzt wirklich in einem Auto Platz haben, ist Definitionssache und kommt darauf an, wie viele man rein- oder raufquetschen kann. So sieht man nicht selten vierköpfige Familien auf einem kleinen Motorrad oder eben 3 statt 2 Leuten auf der Vorderbank eines PKW. Zum Glück sind die Straßen meist so schlecht, dass ein Tempo über 50 nicht zu halten ist.

Was zählt, ist, dass wir mitten in der Nacht in Maracaibo ankamen, übrigens die zweitgrößte Stadt Venezuelas und direkt am Maracaibo-See gelegen, dem Venezuela den Großteil seiner Ölvorkommen zu verdanken hat. Nebenbei bemerkt, ein Liter Bezin kostet in diesem Land rund einen Cent. Von dort aus ging es erst richtig los, denn ohne Pause stiegen wir in die nächste, fast identische Klapperkiste um (diesmal mussten wir vorn sitzen, wogegen ich mich zuvor noch erfolgreich hatte wehren können), die uns in die erste Stadt hinter der kolumbianischen Grenze bringen sollte. Leider hatte einer unserer Mitfahrer kein gültiges Ausweisdokument bei sich, weshalb bei jedem Polizeiposten (und davon gibt es nicht zu wenige) kräftig geschmiert werden musste. Beim ersten Mal war ich noch entsetzt, dann wurde es schon zur Gewohnheit, zumal sie sich für uns auch nicht zu interessieren schienen. Ein Blick in unsere Gringo-Gesichter, und die Polizisten wandten ihre Aufmerksamkeit der Rückbank zu. Nur beim Zoll, da musste Jonas sein Gepäck vorführen, inklusive Scheinchen, von denen am Ende aber doch alle noch da waren.

Für uns schengenverwöhnte Mitteleuropäer ist es ja kaum vorstellbar, was für ein Aufwand so ein Grenzübertritt ist, vor allem zu einem Land, das noch immer gegen Drogenschmuggel kämpft. Erst muss man wie gesagt durch den venezolanischen Zoll, wo übrigens unser ausweisloser Mitreisender samt Familie mit zum Streben niedlicher Tochter zurückbleiben musste. Danach musste man eine Ausreisegebühr zahlen. Den dort erworbenen Wisch zeigte man dann bei der Ausreise vor und bekam einen Stempel in den Pass. Am nettesten war da noch die Einreise nach Kolumbien, da schien die Sonne auch schon schön und wir mussten nur noch sagen, wo wir hinwollten und was wir sonst so machen, schon druckte uns der nette Grenzbeamte einen Einreisestempel in den Pass. Nur noch eine Gepäckkontrolle, die aber eher oberflächlich war und an der das wohl Bemerkenswerteste war, dass uns der Polizist die Hand schüttelte, und “schon” hatten wir es geschafft.

Nachdem der Taxifahrer noch versucht hatte, uns unter Ausnutzung der natürlichen Verwirrung aufgrund einer neuen Währung ein bisschen abzuziehen, mussten wir wohl oder übel in den nächsten Bus springen. Auch diesmal hatten wir nicht das Glück, an ein bequemes Gefährt zu geraten, sondern fanden uns völlig übermüdet in einem viel zu engen Minibus wieder, der Platz für das Gepäck nur auf dem Dach bot. Schier endlos war die Fahrt nach Santa Marta, die Stadt, in der Simón Bolívar gestorben ist und von der aus Hikes nach Ciudad Perdida starten. Völlig fertig erreichten wir endlich unser Hostel – ja, es gibt sie endlich wieder! Hostels, Leute treffen, englisch reden! Und achja, wenn man hier einen frisch gepressten Saft für ca. 1 € bestellt, bekommt man gleich einen kleinen Eimer voll.

Adios Cuba, Bienvenidos a Venezuela!

Unsere zweite Woche Kuba verbrachten wir in der Provinz Sancti Spíritus, die unter anderem die zweitbeliebteste Touristenstadt Kubas beherbergt: Trinidad ist schon seit einiger Zeit UNESCO-Weltkulturerbe und ist deshalb weniger herunter gekommen. Neben der sehr hübschen Stadt haben wir uns einige Ausflüge angetan: Mit einem Taxi (anders geht es nicht) sind wir in den Nationalpark Topes Collantes gefahren und sind dort ein bisschen durch den Regenwald gelatscht. Das Highlight war eine Höhle, in der es einen See gab, in dessen eiskaltem Wasser man auch schwimmen kann. Vorzugsweise sollte man sich vorher ausziehen, worauf ich aber, abenteuerlustig wie ich bin, verzichtete.

Auch eine Fahrt mit der Tuff-tuff-Eisenbahn in die ehemaligen Zuckeranbaugebiete durfte nicht fehlen. Dort konnte man vor allem einen Turm besichtigen, von dem aus früher die Sklaven überwacht wurden. Sympathisch. Nach einer wie immer sehr ausgedehnten Siesta machten wir uns einmal mehr auf zu einem vielgelobten Strand, dieses Mal Playa Ancon. Da das mit dem Moped ja so schief gegangen war (und es auch nur 12 statt 65 km zum Strand waren), entschieden wir uns für Fahrräder, mussten aber leider von einigen geschäftstüchtigen Locals ein paar Schrottmühlen mieten, da der offzielle Verleih nur morgens verfügbar ist (?!). Was soll ich sagen, auf dem Rückweg ging Jonas’ Fahrrad natürlich kaputt und wir mussten schieben. Außerdem warne ich hiermit jeden vor: An der Südküste von Kuba wird in puncto Wassertemperatur der Punkt erreicht, an dem Baden keine Erfrischung mehr bringt!

Die letzte Nacht auf der größten Karibikinsel verbrachten wir in der unterbewerteten Stadt Sancti Spíritus. Während Cienfuegos (unseren Besuch da habe ich aus gutem Grund nicht erwähnt) Weltkulturerbe ist, steht diese Stadt im Schatten von Trinidad, dabei ist es auch hier sehr hübsch und es gibt ein paar für kubanische Verhältnisse ganz gute Restaurants. Größter Vorteil: Man wird nicht ständig von der Seite angelabert, weil die Leute nicht mit Touristen rechnen.

Trotz allem waren unsere Tage auf Kuba gezählt und am Abend des 8. Juni machten wir uns im auf rekordverdächtige 15 Grad Celsius heruntergekühlten Nachtbus auf den Weg zum Flughafen von Havanna. Von dort auf flog uns ein etwas klappriges Flugzeug nach Caracas, das wir jedoch ob seines blutrünstigen Rufes als kriminellste und gefährlichste Stadt der Welt postwendend in Richtung Maracay verließen. Dort regnete es, am hellichten Tag, wir waren völlig begeistert! Außerdem schwante mir, dass Venezuela ein tolles Land ist, als ich das erste Mal einen Batido de Fresa probierte, was man mit einem Erdbeersmoothie vergleichen könnte. Von diesen roten Früchtchen haben sie hier jedenfalls genug. Auch fiel sofort auf, dass die Leute einfach um Welten freundlicher sind. Da mein Spanisch auch zunehmend besser wird, fühle ich mich jetzt schon sehr wohl. In Maracay fanden wir vor allem zwei Dinge heraus: 1) Um Lebensmittel zu kaufen, geht man nicht in den Supermarkt, sondern auf den MARKT. 2) Man kann hier kein Geld abheben, sondern man wechselt, und zwar inoffiziell, da der offzielle inoffizielle Wechselkurs ungefähr doppelt so gut ist wie der offzielle (statt knapp 4 bekommt man über 8 Bolívares für seinen Euro). Das liegt daran, dass die hiesige Währung starr an den Dollar gekoppelt ist, was den Bolivar lächerlich überbewertet. Zum Glück hatte Jonas an Devisen gedacht.

Unser erstes richtiges Ziel in Venezuela hieß Henri Pittier Nationalpark, wo es nicht nur unzählige bunte Vögelchen zu beobachten gibt, sondern auch wunderbar erhaltenen Cloud Forest.

In unserem Reiseführere hörte es sich so an, als würde es bei der Biologischen Station Rancho Grande so etwas wie ein Hostel geben, was jedoch dem dortigen Biologen nur ein unverständliches Lächeln entlockte und so waren wir froh, dass wir überhaupt dort bleiben konnten. Die Station ist in einem nie fertig gestellten Hotel untergebracht, das ein Diktator namens Gomez in den 30ern dorthin bauen wollte. Entsprechend durchgelegen waren die Matratzen und knapp die Stromversorgung und nachts wurde es, wie man im Vogtland so schön sagt, finster wie im Bärenarsch.

Die venezolanischen Ökologiestudenten, die wir dort auf Exkursion antrafen, ließen sich jedenfalls nicht lumpen und gaben uns etwas von ihrem leckeren Essen ab und klärten uns auf einer Nachtwanderung über einige Insekten auf. Auf Unverständnis stieß ich hingegen mit meiner Vorliebe für Computer und theoretische Arbeit, aber das ist eben die ganz andere Seite von Biologie.

Da man leider ohne Auto keinen Wanderweg außer einem erreichen konnte, der ungefähr eine halbe Stunde dauert, fuhren wir am nächsten Tag (11.6.) mit der Studenengruppe zurück nach Maracay, wo wir in einen Bus nach Mérida sprangen, diesmal schlauer und mit Schlafsäcken ausgerüstet. Nun sind wir also hier, in den venezolanischen Anden, und freuen uns auf ein paar aufregende Tage, denn wir haben bei einem äußerst netten kanadisch-polnischen Tourorganisator ein paar Sachen gebucht, über die noch zu berichten sein wird. Morgen ziehen wir auch von unserem fensterlosen Zimmer in einer so genannten Posada (sowas wie ein Gästehaus) in das Zimmer um, das er in seinem Haus direkt am Abhang mit Blick ins Tal und auf die Berge vermietet. Juhu! Einen niedlichen Hund und ein Kätzchen gibt es auch.

Fidel, Che und ein Moped

Wir kamen in der ziemlich seltsamen Stadt, die Havanna heißt, etwas verfrüht an – wir hatten das Datum unseres Fluges vercheckt, konnten aber zum Glück umbuchen. In Havanna habe ich das erste Mal die Erfahrung gemacht, wie es ist, von den Einheimischen als stinkreich betrachtet zu werden: Einige Leute wollen einen abziehen, jeder will einem irgend etwas verkaufen, und “No, Gracias” wird zum lebenswichtigen Equipment. Anfangs fiel es mir recht schwer, mich dazu einzustellen, und ich fange erst langsam an, Kuba zu kapieren. Es ist tatsächlich so, dass Fidel und Che und die Revolution allgegenwärtig sind. Im Revolutionsmuseum konnte man lernen, wie supertoll Kuba ist und das alles Schlechte die Schuld der CIA/des Imperialismus ist. Das war gleichzeitig witzig und gruselig. Überall gibt es Denkmäler und viele Männer tragen stolz ein Che-Tattoo auf der Brust. Gleichzeitig laufen Arsch-und-Titten-Ami-Hip Hop-Videos in den Bars.

Erst seit vergleichsweise kurzer Zeit ist es Einheimischen überhaupt erlaubt, mit Touristen Kontakt zu haben, d.h. sich in Hotels aufzuhalten und Gäste aus dem kapitalistischen Ausland bei sich unterzubringen. Internet hat niemand zu Hause und auch ein Telefon zu haben ist alles andere als selbstverständlich. Touris werden weiterhin sorgfältig gekennzeichnet: Die Nummernschilder von Mietwagen sind rot und es gibt sogar eine eigene Währung für Ausländer (Pesos Convertibles, kurz CUC), die gegenüber der Moneda Nacional den Vorteil hat, dass man sie umtauschen kann und alles Mögliche davon kaufen kann, was man sich sonst niemals leisten könnte. Deshalb ist es für Kubaner ziemlich wichtig, an CUC zu kommen.

In Kuba ist das Essen leider nicht so gut, dafür aber teuer. Unterkünfte gibt es, abgesehen von Hotels, die für uns unerschwinglich und langweilig sind, vor allem in Form von Casas Particulares, also Privathäusern, in denen ein, zwei Räume vermietet werden. Man kann dann auch dort essen. In Havanna hatten wir Glück mit unserer Wirtin, sie hat uns zwei Mal sehr leckeres Essen gemacht und war auch sonst wie eine nette Omi. Wir haben aber auch andere Optionen ausprobiert, alles mehr oder weniger mittelmäßig und/oder überteuert. Havanna ist nicht so mein Ding: Klar, die alten Autos, aber alles ist verfallen, bis auf die Altstadt, die für die Touristen schön aufgehübscht ist, aber da haben wir nicht gewohnt. Die meisten Ecken scheinen öffentliche Toiletten zu sein, was man vielleicht versteht, wenn man weiß, dass das Abwassersystem hier (und wohl fast überall in Lateinamerika) relativ schlecht ist, sodass man Klopapier zum Beispiel nicht in die Toilette, sondern in den Mülleimer werfen muss (ist weniger schlimm, als es sich anhört). Falls ein Klo in der Nähe ist, heißt das.

So war ich nicht böse, dass wir am 30.5. in den Bus nach Viñales gestiegen sind und nun in einem sehr ruhigen Dörfchen in einem grünen Tal residieren. Unsere Gastgeberin ist zwar ziemlich entsetzt, dass wir nicht jeden Abend bei ihr essen, hat sie uns doch das Zimmer zu einem Spottpreis angeboten, aber das können wir auch nicht ändern. Gestern waren wir jedenfalls Reiten, ja, mit Pferden und so, das war sehr schön, aber auch anstrengend, sodass unsere anschließende Siesta etwas außer Kontrolle geriet. Die Abende sind aber sowieso das Schönste: Auf der Veranda, im Schaukelstuhl, mit nicht zu vernachlässigenden Mengen an Rum. Der ist nämlich recht billig, jedenfalls für uns Touristen. Vielleicht werde ich ja noch war mit Kuba.

Gestern unternahmen wir dann etwas sehr Verwegenes: Wir mieteten ein Moped und fuhren damit an den 65 km (!) entfernten Strand auf einer kleinen Insel. Dort war Kuba endlich so, wie ich es mir vorgestellt habe: Kristallklares, fast schon unerfrischend laues Wasser an einem menschenleeren Strand. Warum nicht gleich so?

Auf dem Rueckweg schlug allerdings das Schicksal zu, vielleicht war es die Strafe dafuer, dass wir unseren Gastgebern kulinarisch gesehen die kalte Schulter gezeigt hatten (vielleicht auch nicht): Nachdem wir noch einmal getankt hatten, sprang das Ding nicht mehr an! Sogleich standen 5 bis 10 (OK, drei) Leute um uns herum und versuchten zu helfen. Kuba hat also auch diese Seite! Leider konnte auch der laut Konsens geniale oertliche Mechaniker das Problem nicht loesen, obwohl er es zwei, drei Stunden versucht hat. Waehrenddessen schauten wir dem bunten Treiben um uns herum zu: Huehner mit jeweils mindestens 5 Kueken, alle niedlich piepsend, Ferkel, leider ohne Ringelschwaenze, eine vorwitzige Ente und Mangobaeume, von deren Fruechten wir dann sogar kosten duerften (unbeschreiblich gut). Schon lustig, was man bei uns als Ferien auf dem Bauernhof verkaufen kann, ist in Kuba alltaeglich und alles andere als lustig.

Ueber die Franzosen, die abends im einzigen Restaurant von Venales, das den Namen auch verdient hat, nach Serranoschinken gefragt haben, konnten wir jedenfalls nur lachen.


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